Alt-Lendershagen

Geschichte Alt-Lendershagen

Lendershagen wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts von einem Mitglied des rügischen Fürstenhauses dem Domkapitel zu Riga geschenkt Die Bezeichnung Alt-Lendershagen erhielt es erst nach Gründung Neu-Lendershagen durch die Umsiedlung der Bewohner von Bussiner Heide.
1384 wurde Lendershagen mit anderen Besitzungen in der Gegend an das Kloster Neuenkamp verkauft. In dessen Besitz blieb es in den folgenden Jahrhunderten. 1630 wurde Lendershagen als Dienstdorf zu Endingen von König Gustav Adolf an Johann von Scheven verkauft. Nach seinem Tode 1643 kam es mit den Endinger Gütern an seinen jüngeren Sohn Bernhard, geadelt als von Schävenbach. Dessen Sohn, wieder ein Johann, heiratete Anna Sophiem die Tochter des Stralsunder Bürgermeisters Johann Friedrich Coch, die nach dem Tode ihres ersten Gatten 1677 die Endinger Güter, dabei auch Lendershagen, ihrem zweiten Mann, dem Regierungsrat Bernhard Christoph Jäger zubrachte. Nach der grundsätzlichen Reduktion durch den Vergleich vom 29. Mai 1696 behielt Jäger das Gut einstweilen bis sich durch die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Ablösungsbestimmungen nach dem Übergang des Landes an Preußen 1815 die Verhältnisse grundlegend änderten. Alteingesessene Lendershäger kennen heute noch die Bezeichnung „Dienstweg“ für den alten Weg nach Endingen, der vom Südende des Dorfes ausgeht.
1696 saßen in Lendershagen an Stelle der früheren 11 Vollbauern und des einen Halbbauern nur noch 7n Bauern und 2 Kossaten, ein Kossatenhof lag öde. Bauern und Kossaten hatten gleich viel Land, jeder 1 Hufe, und leisteten Kossatendienste auf dem Ackerhof Endingen. Der Acker wird als Sandboden, zum Teil lehmgemischt beschrieben; Ertrag gewöhnlich des 3., höchstens das 4. Korn, nur in besonders guten Jahren, aber sehr selten, das 10. Korn. An Vieh hatte jeder Bauer 8 Pferde, 4 für den eigenen Acker, 4 für den Hofdienst. Die Kossaten hatten 4 Pferde, da sie keinen Spanndienst zu leisten brauchten. Außerdem besaß jeder 3-4 Kühe, etwas Jungvieh und 6-8 Schafe.
Am Hofdienst in Endingen war zu leisten: Jeder Bauer 3 Tage in der Woche  mit 2 Leuten und Vieh, 2 Tage zu Fuß, in der Erntezeit mehr, Kossaten 3 Tage wöchentlich zu Fuß.
Die Bauern nutzten außerdem den Wald zum Kohlenbrennen und fuhren die Kohlen nach Stralsund.
Bei der Volkszählung von 1861 hatte Alt-Lendershagen 246 Einwohner. Das ehemalige Gut Alt-Lendershagen (112 ha) ist erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgebaut worden. Alt-Lendershagen lag aus der Sicht der Velgaster immer etwas abseits, weil es zum Kirchspiel Richtenberg gehörte. Zum Kirchenbesuch, zu Trauungen und zu Beerdigungen mussten die Alt-Lendershäger immer durch den Schuenhäger Forst bis nach Richtenberg. 1820 gab es kurz vor Richtenberg in der „Papenhäger Hölzung“ einen Lendershäger Kirchsteig“. Der Friedhof in Alt-Lendershagen ist erst nach 1945 angelegt worden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wohnten in Alt-Lendershagen 358 Menschen in 56 Wohnhäusern. Es waren neben den Bauern Waldarbeiter  mit kleinen Nebenerwerbsbetrieben. Auch gab es eine Reihe von Kleinbetrieben, die sich mit der Holzabfuhr für die Forstverwaltung beschäftigten.
Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts wurde die neue Schule, der spätere Kindergarten, in Alt-Lendershagen gebaut. Auch sie war, wie die alte, nur einklässig: alle 8 Schuljahrgänge wurden in einem Klassenraum unterrichtet. Sie wurde erst nach der Eröffnung der neuen Polytechnischen Oberschule in Velgast geschlossen. Seitdem kommen die Alt-Lendershäger Kinder nach Velgast zur Schule.
Eine Besonderheit von Alt- und Neu-Lendershagen war, dass sehr viele Einwohner „Ökelnamen“, das heißt Spitznamen, hatten. Es gab den „hasen-Korl“ und den „Schwien-Korl“, Korl Schnepper“ (der in Wirklichkeit ganz anders hieß) und den „Gefreiten Fett“, den Kauh-Genzen“ und den „Schwien-Genzen“, den „Deutschen“ und den „Grafen Max von der Mühle“; im letzten bzw. ersten Haus des Dorfes wohnte der „Durchschriewer“ (Torschreiber), der auch Goldunkel“ genannt wurde. Sein Haus lag dicht an der sogenannten „2. Brücke“, die über den östlichen Barthearm führt. Um diese Brücke hatte es um die Jahrhundertwende den „Brückenstreit“ gegeben, einen heftigen Rechtsstreit zwischen den Gemeinden Alt- und Neu-Lendershagen über die Kosten des Brückenbaus. Bis zum Bau dieser „2. Brücke“ mussten die Alt-Lendershäger nach Velgast durch den Wald in SChuenhagen fahren.
Auch viele Flurnamen haben sich in Alt-Lendershagen erhalten, so die „Hasenherberge“, auch Griese Eck“ genannt. Dort hat „Hasen-Korl“ gewohnt. Es sind die Häuser aus dem Weg, der hinter den früheren Konsum zum Wald hin führt. Die Bezeichnung „Hasenherberge“ kommt schon in den Bekanntmachungen des Regierungsblattes aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor als Versammlungsort bei Holzauktionen. Der Weg zum Gutshof hieß „Hunn-Strat“, also Hundestraße. Die heute hochdeutsche Bezeichnung „Hunnenstraße“ ist wahrscheinlich unrichtig.
Auch in Barth gab es 1531 eine „Hundestraße“, plattdeutsch Hunn-Strat“, aus der später durch Rückübersetzung in Hochdeutsche die „Hunnenstraße“ wurde. Sprachgeschichtlich gibt es aber für die Bezeichnung „Hunnenstraße“ keine sichere Begründung. (W. Bülow, Chronik der Stadt Barth, 1922).
„De Hauw“ war eine kleine Häusergruppe zwischen der Hunn-Strat und dem Friedhof. Sie gehörte ursprünglich zum Gut und stand noch bis in die sechziger Jahre dort. „An`n Brann“ heißen die großen Wiesen am und im Wald an der Barthe östlich des Dorfes, ein  Teil des Waldes dort ist das „Rad“.
Das Gut Alt-Lendershagen wurde im Rahmen der Bodenreform 1945 enteignet und aufgeteilt. Alle bäuerlichen Betriebe Alt-Lendersahgen wurden später Mitglieder der LPG Pflanzenproduktion Velgast.
Der Weg nach und durch Lendershagen wurde 1948/49 mit Schutt von den gesprengten Hallen und Gebäuden des Flugplatzes Barth zu einer festen Straße ausgebaut. Es war die erste Chaussee, die nach dem zweiten Weltkrieg im ehemaligen Kreis Franzburg-Barth neu gebaut wurde.
Die „sozialistische“ Geschichte Velgast nach 1945 endete in einer Katastrophe.
Nach der Wiedervereinigung der DDR mit der Bundesrepublik und der Währungsunion 1990 brachen die drei großen Betriebe des Ortes personell überbesetzt, mit ihren schwerfälligen, planwirtschaftlichen Strukturen zusammen:
Das Volkseigene Gut, die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft und die Ziegelei.
Für Velgast begann eine schwere Zeit.
 
 
Quelle: Chronik der Gemeinde Velgast