Geschichte der Gemeinde Weitenhagen

Die Dörfer Alt Seehagen, Behrenwalde, Koitenhagen und Weitenhagen sind die Ortsteile der Gemeinde Weitenhagen und befinden sich auf geschichtsträchtigem Boden.

von Uwe Hein, Franzburg

Ortsteil Alt Seehagen
Im 19. Jahrhundert wurde der bereits unter dem Namen Sehagen anno 1319 genannte Ort geteilt. 1846 finden wir anstelle eines Ortes zwei Namen: Alten Seehagen und Neuen Seehagen.
 
Aus Alten Seehagen wurde später Alt Seehagen. Der Ort liegt in der Gemeinde Weitenhagen im Amt Franzburg-Richtenberg. Im gleichen Amt, aber in der Gemeinde Velgast liegt das besagte Neuen Seehagen, welches sich heute Neu Seehagen nennt.
 
Doch zurück zu Sehagen, aus welchem ja beide Orte hervorgingen. Der Ort wurde 1434 Sehagen, 1696 See-Hagen, 1779-1806 Shehagen genannt.
 
Altseehagen ist ein Hagendorf. Es wurde wahrscheinlich nach einem einstigen See benannt, der in einem nahen Wald lag und aus Morast besteht. Ende des 17. Jahrhunderts gehörte Seehagen zum Barther Distrikt und zum Kirchspiel Starkow. Der Ort war altes Dotenbergischen Lehen und wohl immer Pertinenz von Altenhagen.
Seehagen besaßen 1631 die Brüder Sievert und Baltzer Datenberg. 1696 war der Dorfbesitz dreigeteilt. Den einen Teil besaß Dorothea von Kahlden, den zweiten Teil besaß der Pastor von Starkow und den dritten Teil hatte Baltzer Sanders auf Redebas.
In Alt Seehagen hat sich der Sohn des ehemaligen Gutsbesitzers angesiedelt und betreibt dort seit Anfang der 1990er Jahre sehr engagiert einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb. Seit dem neuen Jahrtausend lädt er zu „Ferien auf dem Bauernhof“ ein.
Ortsteil Behrenwalde
Behrenwalde liegt in der kleinen Gemeinde Weitenhagen. Der Ort war schon immer das Zentrum der Gemeinde.
Das Gemeinwesen ist nach dem Geschlecht Behr benannt, das weit über die Grenzen Pommerns Besitz in großem Umfange schon seit dem Mittelalter hatte.
 
An frühere Zeiten erinnert heute noch das hiesige Schloss und eine von denBehrs für leitende Gutsarbeiter 1877 errichtete Siedlung. Die Besonderheit an den Siedlungshäusern ist, dass verschiedene Tierbüsten angebracht wurden. Diese Häuser stehen unter Denkmalschutz.
 
Der Ortsname von Behrenwalde entwickelte sich wie folgt:
 
1339 Berewolde
1455 Barenwolde
1618 Berenwolde
1631 Berenwalde
1696 Barenwald
1821 Behrenwalde
 
In Vorpommern waren zwei Familien des Geschlechtes Behr. Die eine hatte auf Rügen und Neuencamp ihren Stammsitz. Die andere Familie hatte Ihren Stammsitz im ehemaligen Kreis Greifswald und in Gützkow.
 
Möglicherweise hat der Ort schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts existiert. Urkundlich erwähnt wurde der erste Behr, Dietrich II. auf Behrenwalde erst 1339. Anfang des 15. Jahrhunderts hatten die beiden beherrschenden Hauptstämme Behrenwalde und Hugoldsdorf in Behrenwalde Anteile am Besitz.
 
Ende des 17. Jahrhunderts war Behrenwalde ein Bauerndorf mit Ackerwerk. Im Jahre 1861 wurde der damalige Gutsbesitzer von Behrenwalde, Ulrich Behr-Negendank, vom preußischen König zum Grafen erhoben. Sein Gut bewirtschaftete dieser Behr aber nicht. Er war von 1867 bis 1869 Landrat des Kreises Franzburg und anschließend bis 1883 Stralsunder Regierungspräsident. Bis 1891 war er dann sogar Oberpräsident der Provinz Pommern.
 
Über das Geschlecht Behr gibt es eine Reihe von Abhandlungen, die in Archiven und Bibliotheken genutzt werden können. Das Geschlecht Behr hat seinen Ursprung im Lüneburgischen. 1158-1162 trat hier erstmalig Hugold Bere mit bedeutendem Grundbesitz als Großvogt von Hermannsburg auf. Er wurde mit anderen Zeugen in einer Urkunde 1162 als „nobilis“ genannt. Hugold von Hermannsburg wurde in einer anderen alten wichtigen Urkunde als Bruder des Bischofs Hermann von Verden genannt, von dem wir seit 1138 wissen. Im festländischen Teil von Rügen beginnt urkundlich nachgewiesen mit Hugold von Hermannsburg die Stammreihe des Geschlechtes Behr.
 
In alten pommerschen Urkunden wird schon ein Heinrich Behr 1245 genannt. 1275 überlässt ein Ritter Behr dem Kloster Eldena Landbesitz. 1440 stiftete ein Behr auf Hugoldsdorf eine Kapelle in Tribsees. Ein Behr ist der letzte Prior der Karthause Marienehe bei Rostock anno 1525. Zur Zeit des 30-jährigen Krieges waren die Behrs in den alten Kreisen Franzburg, Grimmen und Greifswald, aber auch in Mecklenburg, sehr reich. Sie besaßen Eigentum in Stresow, Dargezin, Bandelin, Hugoldsdorf, Katzenow, Werder, Deyelsdorf u. a.
 
Der Behr Hugo V. (1339-1399) begründete das Dorf Hugoldsdorf.
 
An diesen Beispielen ist zu sehen, dass das Geschlecht Behr nicht nur mit dem Dorfe Behrenwalde in Verbindung zu bringen ist.
 
Ortsteil Koitenhagen
Der merkwürdig erscheinende Name erscheint urkundlich 1316 erstmalig unter dem Namen Kutekenhagen. In den nächsten Jahrhunderten findet man ihn als Ortsnamen in den Urkunden wie folgt vor:
 
1669 Kötenhagen
1696 Kothenhagen
1775 Koetenhagen
1821 Koitenhagen.
 
Mit hoher Wahrscheinlichkeit gab es dort schon spätestens um 1280 das Dorf, denn 1282 wird im ältesten Stralsunder Stadtbuch ein Johannes de Cotikenhagen notiert.
Sehr interessant ist, dass die in der Gemeinde Weitenhagen unweit voneinander liegenden Orte Koitenhagen und Weitenhagen so auch im Greifswalder Bereich vorkommen.
 
Auf jeden Fall hat der Ortsname Koitenhagen slawische Wurzeln und ist mit Kater in Verbindung zu bringen. Die Endung "–hagen" besagt, dass der Ort ein Hagendorf ist.
 
Ortsteil Weitenhagen
Die westlichste und kleinste Gemeinde des Amtes Franzburg-Richtenberg wurde nach dem urkundlich erstmalig 1486 genannten Dorf Weitenhagen benannt.
 
Ergänzt muss aber werden, dass der Personenname Weitenhagen urkundlich eher belegt ist und zwar im Ältesten Stralsunder Stadtbuch.
 
Die Zugehörigkeit des Dorfes zum ebenfalls in dieser Gemeinde liegenden Hauptgute Behrenwalde der Familie Behr erklärt das Unerwähntsein des Ortes in älterer Zeit. Weitenhagen war ein altes Behrsches Lehn.
 
Anno 1651 wurde der Ort Gut von den Vormündern der Söhne Georg Christoph Behrs an den Pommerschen Kriegskommissar Balduin Pucher zu Hövet verpfändet. Dessen gleichnamiger Sohn überließ das Gut den Erben des Stralsunder Archivdiakons Zacharias Rottmann.
 
Peter von Goeben löste 1695 im Namen seines Schwiegervaters Jochim Christoph Behr auf Semlow das Gut wieder ein.