Das vielfältige Leben am See selbst erleben

Der Franzburg-Richtenberger See ist wieder ein naturkundlich lohnendes Ziel, das zeigten auch die von der Kreisvolkshochschule und dem NABU gemeinsam angebotenen gut besuchten Führungen. Doch auch die Ruhe und Entspannung suchenden Spaziergänger sind hier herzlich willkommen.

Besonderheiten und Seltenheiten in der Vogelwelt am See
Möwen sieht man zurzeit tagsüber wenig auf dem See, sie suchen ihre Nahrung jetzt oft auf den Äckern. Das war aber im Frühjahr und Sommer ganz anders, denn auf einer Insel im See hatte sich eine kleine Lachmöwenkolonie gebildet und dort geht es bekanntlich sehr lebhaft zu. Mit guten optischen  Hilfsmitteln konnte man dann auch die kleinen Jungvögel beobachten. Auch Seeschwalben fanden sich am See wieder ein, Weißbart-, Trauer- und Fluss-Seeschwalbe.
 
Bisher konnte bereits eine erstaunliche Artenvielfalt der Vogelweit nachgewiesen werden, die den Richtenberger See als Brutvögel oder als Durchzügler  sowie Nahrungsgäste nutzen. Erwähnt seien auch noch der Komoran, Vögel des Jahres 2010 sowie Grau- und Silberreiher, Weißstorch, Grau- und Nilgans, Kranich, Rohrammer, Drossel- und Teichrohrsänger sowie natürlich der exotisch bunte Eisvogel, Vogel des Jahres 2009.
 
Beeindruckend sind auch die großen Starenschwärme, die sich hier im Spätsommer und Herbst zusammenfinden. So gibt es das ganze Jahr über etwas zu entdecken, selbst in einem Winter wie 2008/2009, als sich die Wasservögel eine kleine eisfreie Stelle offen hielten.
 
„Limikolen“ = Watvögel
In größeren Trupps erscheinen zurzeit auch die Kiebitze. Diese zu den Regenpfeifern gehörende Art ist auch Brutvogel am Richtenberger See. Ab Sommer schließen sich Kiebitze zu größeren Verbänden zusammen und streifen nahrungssuchend durch unsere Region. An die tausend Vögel im Schwarm konnten hier am See schon beobachtet werden. Einzeln oder in kleineren Trupps erscheinen weitere Watvögel mit dem sogenannten Heim- und Wegzug meist im Frühjahr bzw. im Herbst zum Beispiel Sand- und Flussregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer, Alpenstandläufer, Kampfläufer, Dunkler Wasserläufer, Rotschenkel, Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Großer Brachvogel und Bekassine.
 
„Die Herrscher der Lüfte“ – Greifvögel im Seeumfeld
Ein besonderer Vertreter der Greifvögel war in diesem Jahr die Rohrweihe. In diesem Frühjahr konnte man das Balz- und Revierverhalten sowie den Nestbau direkt am See gut mit verfolgen. Auch sie haben erfolgreich gebrütet. Die Kornweihe besucht das nähere Seeumfeld zur Nahrungssuche ebenso wie Turmfalke, Rotmilan, Mäuse- und Rauhfußbussard. Ein imposanter Vertreter der Greifvögel am See ist der Seeadler, der hier ein regelmäßiger Nahrungsgast ist. Wenn dieser mächtige Adler mit einer Flügelspannweite bis zu 2,40 m den See überfliegt und dabei vorwiegend fast alle Enten aus dem Schilf in die Luft steigen, ist man erstaunt, wie viele Wasservögel hier zu zählen sind.
Doch nicht nur der vogelkundlich interessierte Beobachter kommt hier auf seine Kosten, es wurden hier zum Beispiel 31 Libellenarten nachgewiesen und eine vielfältige Pflanzenwelt erfasst.
 
NABU Nordvorpommern, Achim Strutzenberg
Alles schlüpft wieder am Richtenberger See
Pressefoto

Barth/Franzburg/Richtenberg. Am Donnerstag, dem 16. Juni, luden Kreisvolkshochschule und der Naturschutzbund NABU zu einem naturkundlichen Feierabendspaziergang am Richtenberger See ein. Höckerschwäne und Lachmöwen waren bereits fleißig mit ihrem Nachwuchs beschäftigt. Auch der Haubentaucher (Vogel des Jahres 2001) war zu entdecken. Während sich die Graureiher fern auf der Richtenberger Seite des Seeufers aufhielten, saß ein Kormoran (Vogel des Jahres 2010) im Baum nahe der Beobachter. Nebenan rief ein Kuckuck (Vogel des Jahres 2008) von einem kahlen Ast.

Spektakulär wurde es jeweils, wenn die kopfstarke Brutkolonie der Lachmöwen auf der kleinen Vogelinsel bei Franzburg lautstark eine jagende Rohrweihe abwehrte. Die teilnehmenden Naturfreunde entdeckten außerdem Blessrallen, Drosselrohrsänger, Fluss-Seeschwable, Löffelenten, Reiherenten, Schnatterenten, Stockenten, Tafelenten und Weißstorch. Bemerkenswertes Ereignis auf dem Spaziergang unter Leitung von Ralf Schmidt und Achim Strutzenberg war die kurzzeitige Sichtung einer kleinen Graugans-Familien. Ihre erfolgreiche Brut wurde 2011 erstmals am Richtenberger See nachgewiesen. Eine Fortsetzung dieser Veranstaltungsreihe ist vorgesehen.

 

Pressefotos: Abdruck honorarfrei.

Die häufigsten Wasservögel am Richtenberger See
Leicht zu erkennen sind natürlich die vielen Höckerschwäne auf dem See, von denen in diesem Jahr wieder viele Brutpaare recht erfolgreich waren. Etwa 200 halten sich zurzeit hier auf. Ab Oktober bekommen sie Gesellschaft von ihren Verwandten aus Nordeuropa bzw. aus der Tundra Sibiriens, den Sing- und Zwergschwänen. Sie sind nur Gäste auf dem Richtenberger See.
Der häufigste Vogel, auch als Brutvogel, ist das Blesshuhn. Dieser schwarze zu den Rallen gehörende Wasservogel bekommt im Herbst oft Zuzug aus dem Nordosten. Nicht sehr häufig, jedoch auch ein erfolgreicher Brutvogel hier, ist ein naher Verwandter der Blessralle, die Teichralle („Teichhuhn“). Sehr zahlreich auf dem See sind natürlich die Wildenten. Aber es ist nicht nur die allgemein bekannte Stockente, die hier gute Nahrungs- und Brutbedingungen gefunden hat, sondern noch viele andere Arten. Der naturkundlich interessierte Beobachter kann hier bei den sogenannten Schwimmenten Schnatter-, Pfeif-, Spieß-, Krick- und Knäkente in unterschiedlicher Zahl und meist auf den Durchzug beobachten. Besonders die Pfeif- und Schnatterenten bilden jetzt im Herbst große Bestände. Aber auch die Tauchenten sind mit Reiher-, Tafel-, Schell-, Moor- und Kolbenente vertreten. Die Reiherente war in diesem Jahr auch ein Brutvogel auf dem Richtenberger See. Vor allem in den sommerlichen Abendstunden konnte man die Weibchen mit ihren kleinen Jungen beobachten, die wie kleine Wattebällchen schon nach Nahrung tauchten. Die zu den Entenvögeln gehörenden Säger, Gänse- und Zwergsäger aus dem Norden, sind hier am See als Durchzügler und Wintergäste zu beobachten.
Eine typische Wasservogelgruppe für diesen See sind die sogenannten Lappentaucher. Jetzt im Herbst ist besonders der kleinste Taucher, der Zwergtaucher, zu sehen. Es sind kleine rundliche Vögel, die sich oft sehr gesellig in kleinen Trupps hier aufhalten. Der größte und ein häufiger Brutvogel ist der Haubentaucher. Im zeitigen Frühjahr zeigt er sein auffälliges Balz- und Paarungsverhalten und seine „krorr“ Rufe sind überall zu hören. Etwas später, im Mai, brütet dann auch der Rothalstaucher am See. Auch er hat ein auffälliges Balzverhalten und ist dabei weit zu hören mit seinen manchmal an ein Schweinegrunzen erinnernden Lauten. Eine vierte Art, der Schwarzhalstaucher, kam bisher nur vereinzelt als „Gast“ vorbei.
 
NABU Nordvorpommern, Achim Strutzenberg